Pressemitteilung zum antisemitischen Übergriff im KOMM-Center Offenbach

Wie dem öffentlichen Diskurs der letzten Tage zu vernehmen war, wurde am Sonntag, den 02.06.13 am frühen Abend der Rabbiner Mendel Gurewitz im Offenbacher Einkaufscenter KOMM auf antisemitische Weise angegriffen und beschimpft. Weder das Security-Personal des Einkaufscenters noch die Polizei haben die politische Dimension, sowie das Schutzbedürfnis des Rabbiners erkannt. Stattdessen wurden Opfer- und Täterrollen umgekehrt und der Rabbiner sah sich genötigt das Einkaufscenter so schnell wie möglich zu verlassen.

Im Gegensatz zu den bisherigen Darstellungen finden antisemitische Ressentiments nicht nur Ausdruck in derartigen Übergriffen, sondern sind Bestandteil der tagtäglichen Reproduktion. Dass dies an einem Ort wie dem KOMM-Center passiert ist dann auch nicht verwunderlich, sofern das Einkaufscenter als einer der zentralen Orte des innerstädtischen Lebens verstanden wird. Deswegen wird ein solcher Ort auch zu einem Kristallisationspunkt, von in der Gesellschaft verankerten menschenfeindlicher Ideologien.

Ein Einkaufszentrum stellt immer das Aufeinandertreffen
verschiedener Lebenswelten und deren unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten dar, die in der Reproduktion des Lebensstandards der kapitalistischen Gesellschaft bereits angelegt sind.

Somit muss es als systemisch verstanden werden, wenn dort unterschiedlichste Waren wie asiatische Snacks und Schuhe neben nationalistischen Zeitungen, wie die „Deutsche Stimme“ (NPD-Zeitung), verkauft werden. Die monatlich erscheinende Parteizeitung versucht eine möglichst breite Leserschaft anzusprechen um ihre rassistischen und antisemitischen Inhalte zu verbreiten, an gemäßigt rechtskonservative Bürger*innen bis an die organisiert neofaschistischen „freien Kameradschaften“. Die öffentliche Aufbereitung jenes antisemitischen Vorfalls wird zum Anlass genommen eine bereits bestehende anti-muslimische Lobby wieder aufzubereiten.
Dabei spielt es keine Rolle, ob die Täter als „Südländer“, „Menschen mit nordafrikanischem igrationshintergrund“ oder „als ausländisch Aussehende“ beschrieben werden, rassistisch ist jede dieser Zuschreibungen. Ursächlich sind dafür unerfüllte Wünschen nach materieller Bedürfnisbefriedigung. Jene führen, wie im aktuellen Fall, leider nicht zur Kritik des kapitalistischen System als Ganzes, sondern münden in eine Projektion der Unzufriedenheit auf
einzelne Personengruppen.

Was tun also?
Zunächst müssen solche Ereignisse nicht als schockierende Zwischenfälle begriffen werden, sondern als Ausdruck tiefliegender gesellschaftlicher Ressentiments, die den Erfahrungsalltag vieler Menschen darstellen.
Aus diesen Gründen gilt es bestehende Strukturen zu erkennen, hinterfragen und kritisieren um sie schlussendlich überwinden zu können – zur Errichtung einer Gesellschaft in der alle Menschen gemäß ihrer Facon Partizipation finden können.

„Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde, die Kritik der Religion in die
Kritik des Rechts, die Kritik der Theologie in die Kritik der Politik.“
(MEW Bd. 1)

- antifaschistisches bündnis offenbach Juni 2013 // http://offmobi.blogsport.de/ -