2. Nazistrukturen in OF Text aus der SZ-Mobi-Zeitung

Neonazis aus der Deckung holen!

Die historische Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Offenbach am Main ist heute weitestgehend zugänglich. Doch wenn es um das gegenwärtige Auftreten von Neonazis in Offenbach und Umgebung geht ist allgemein wenig bekannt. Dennoch wird auch hinsichtlich der NPD-Kundgebung in Frankfurt am 1. Mai 2013 immer deutlicher, das eine nicht zu leugnende vehemente Präsenz rechter Strukturen, welche sich jedoch ohne dabei an Brisanz zu verlieren, manchmal erst bei genauerer Betrachtung auftut, auch in Offenbach sowie Umgebung existiert und zur freien Agitation führt.

So sind u. a. im Stadtbild von Offenbach Aufkleber und Schmierereien an Straßenschildern und Wänden mit neonazistischen Sprüchen und Inhalten zu finden. Diese häufen sich taktischerweise an Schulen und insbesondere an bekannten Treffpunkten von Neonazis wie beispielsweise dem Leonard-Eisnert-Park. Auch die Umgebung Lauterborns mit dem dort ansässigen NPD-Funktionär Frank Marschner steht dem in Nichts nach.

Doch neben dieser konkreten ungestörten Verbreitung rechter Ideologien kommt es auch zu verbalen und körperlichen Übergriffen, welche allem Anschein nach nicht auf antifaschistischen Widerstand stoßen. Hier wird klar, dass sich Nazis in Offenbach (scheinbar) recht wohlfühlen und ein Raum vorhanden ist, der eine offene Verbreitung neonazistischer Ideologie und ihr unbehelligtes Treiben in dieser Gesellschaft ermöglicht. So verwundert es dann auch nicht mehr wenn Nazis mit szenetypischer Kleidung offen die Straße betreten können oder sich als Gruppen in Offenbachs Kneipen wie der sogenannten ›Bierakademie‹ ungestört einen schönen Abend machen. Dass Nazis in der offenbacher Gesellschaft nicht anecken verdeutlicht, dass selbst das unüberhörbar laute Abspielen von Rechtsrock in Privatwohnungen mitten in der Innenstadt bei offenem Fenster auf keinerlei Gegenwehr stößt.

Der Verkauf von Nazizeitungen wie »National Zeitung« oder »Deutsche Stimme« in einem Fachgeschäft im Komm-Center sind ebenfalls in diese Kontinuität einzureihen, da deren Verkauf trotz mehrfacher Hinweise auf den Inhalt dieser Zeitungen nicht eingestellt wurde. Dies wurde damit begründet, dass offensichtlich ein reges Interesse an diesen Zeitungen seitens der offenbacher Bevölkerung gebe und deshalb schlussendlich mit einer Gleichgültigkeit den verkauften Inhalten begegnet wurde.

Durch all diese Tatsachen erscheint Offenbach in einer anderen Licht, die klar macht, dass diese Stadt, die von politischer Seite immer nur als »vielfältig«, »multikulturell« und »tolerant« angepriesen wird etwas ganz anderes ist – nämlich auch ein Nährboden für faschistische und menschenfeindliche Ideologien.
So sollte sich neben der Frage wie viel Gehalt eine Toleranz haben kann, wenn sie Menschen entgegengebracht werden soll die selbst ein intolerantes Weltbild vertreten, auch immer die Frage nach dem Ausmaß und der Brisanz der Situationgestellt werden, wenn beispielsweise eine Gruppe von Nazis u. a. die vergangene Veranstaltung »Rock gegen Rechts« im Leonard-Eisnert-Park am 17. September 2011 torpedieren konnten, in dem sie unerkannt während der Veranstaltung Flyer mit rechtsradikalem Inhalt verteilten konnten. Auch der »Trauermarsch für die Opfer der NSU« am 23. Februar letzten Jahres stand diesem in nichts nach – da auch hier Nazis auftauchten, um emonstrationsteilnehmer_innen abzufotografieren.
Des weiteren ist erschreckenderweise festzustellen, dass sich in Offenbach eine Gruppe gebildet hat, die sich in der Stadt durch Sprühereien und über das Internet als Teil des »Freien Netz Hessens«, als »NSO – Nationale Sozialisten Offenbach« einen Namen machten.
Sicher ist, dass Teile dieses Personenkreises immer noch in Stadt und Kreis Offenbach als Mitglieder der »NSRM – Nationale Sozialisten Rhein Main« leben und agieren.

Diesem Treiben muss unverzüglich ein Ende gesetzt werden. Was Mut zu einem konsequent antifaschistischen Widerstand erfordert, wie er bereits von einigen Gruppen in Offenbach und Umgebung praktiziert wurde. So sind Nazi-Outings u.a. ein legitimes Mittel um die Mitmenschen über neonazistische Aktivitäten sowie Strukturen in ihrem Lebensumfeld aufzuklären. Folglich auch das Outing am 23.03.2011, wodurch das heimliche Engagement eines Nazis aus der Gruppe »Nationale Sozialisten Rhein-Main«, der in der dietzenbacher Kreisverwaltung arbeitete aufgedeckt wurde, und ihm so seinen Job kostete. Ebenso ist es durch antifaschistischen Widerstand gelungen einen Stadtspaziergang zu initiieren um das Wohngebiet eines Mitglieds des »Freien Netz Hessens« über dessen rechte Ideologie sowie seinen Aktionismus aufzuklären.

Dieser Mut und dieses Engagement ist nun aktueller denn je gefordert,
deshalb rufen wir dazu auf:

Alle am 1. Mai nach Frankfurt um den Nazis aus Offenbach, Frankfurt und sonst wo
entschlossen entgegen zu treten!

Befreite Gesellschaft erkämpfen!

antifaschistisches bündnis offenbach

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